Na servas, Helene. Da sitzt sie nun, die frischgebackene Weltretterin, und glaubt, dass sie mit Haferbrei und Lastenfahrrädern dem Schicksal davonradeln kann. In diesem finalen Protokoll serviert Schröder die Wahrheit direkt am Würstelstand. Ein rhetorisches Gulasch über die Verlogenheit des ‚Lebe im Jetzt!‘ und warum die meisten Heilsversprechen so hohl sind wie eine leere Dose 16er-Blech. Lesen Sie, wie Schröder die Fassade der Selbstverwirklichung filetiert, bis nur noch der nackte, scharfe Realismus übrig bleibt. Setz di her, nimm da an Senf – es wird schmerzhaft ehrlich.
Servas! Na, Helene, du alte Sünderin. Setz dich nieder, bevor da Wind di umblaust. A Eitrige mit an Bugl und a 16er-Blech, eh klar. Schaust aus, ois wärst grad vom Mount Kailash owekumma, so entspannt bist. Oder liegt’s am Radl-Messias, denst da aufgrissen hast? Erzähl mir nix, mir habens es scho umigriebn, das du auf der Welle „Das Leben ist zu kurz für irgendwann“ schwimmst, Das hat da Peter dir wohl eingetrichtert, was? Und du glaubst ihm des, dem der mit seim Drahtesel die Welt rettn will? Früher host auf an gschmeidigen Lederbezug Wert glegt, jetzt reicht da a Sattel, der de Hämorrhoiden zum Blühen bringt.
Bevor i jetzt losleg mit mein spitzem Maul und di und dein neues Heilsversprechen filetier, hab i nur a klane Frog:
Was genau an dem „Leben ist zu kurz für irgendwann“-Gerede hat di so g’packt, dass du dein altes Leben – und damit a bissl a mei Wenigkeit – so radikal hinter dir gelassen hast? War’s die Angst vor dem „irgendwann“ oder eher die Hoffnung auf ein „jetzt“, das so scheinheilig nach Weltrettung stinkt?
Loss da Zeit beim Antworten, i hab eh nix Besseres zu tun, während i auf mei Käsekrainer wart. Und vergiss net: Der Senf is scharf, genau wie meine Worte glei sein werdn.
Quirin, du redst, als hättest die Weisheit mitn Löffel gfressen. Nur weil du immer noch deine Paragraphen sortierst und die Welt von deinem Schreibtisch aus sezierst, glaubst, du hast den Durchblick?
Durchblick hab i genug, Helene. Sogar durch die rosarote Brille von deinem Radl-Guru seh i, dass des Ganze a Luftnummer is. „Lebe im Jetzt!“ – ja, genau. Und was is mit morgen? Oder übermorgen? Hast da auch schon an Plan, außer vielleicht die nächste Fahrraddemo?
Die „Das Leben ist zu kurz für irgendwann“-Leier. Papperlapapp! Sagt wer? Die Marketingabteilung der Sinnsuche? Die Gurus der Selbstverwirklichung, die dir für teures Geld erzählen, dass du dein „wahres Ich“ findest, wennst nur genug Detox-Tees schlürfst und an irgendwelchen achtsamen Waldspaziergängen teilnimmst?
Du, Helene, bist ja a g’scheite Frau g’wesen. Hast di net von jedem Windradl umblaasn lassen. Und jetzt? Jetzt schwärmst von einem Typen, der sein Leben dem Kampf gegen den Individualverkehr verschrieben hat. Der wahrscheinlich mehr Zeit damit verbringt, seine speckigen Lycra-Hosen zu waschen als über die wirklich wichtigen Dinge nachzudenken. Aber Hauptsache, er hat a Mission. A „Purpose“, wie die Neusprech-Prediger sagen würden.
Und du bist drauf eig’stiegen. Hast dei guade Wohnung gegen a WG mit lauter Weltverbesserern tauscht, die beim Abendessen über die neuesten CO2-Bilanzen diskutieren, während der Kühlschrank leer ist, weil keiner Zeit hat zum Einkaufen – schließlich muss ja die Welt gerettet werden.
Früher host auf di g’schaut, Helene. A bissl auf dein Ruf, auf dein Aussehen, auf dei Bankkonto. Jetzt strahlst von innen, sagen’s. I sag: Du strahlst vor Selbstbetrug. Weil die Wahrheit is doch die: Irgendwann kommt immer. Irgendwann is die Jugend vorbei, irgendwann san die Ideale verbraucht, irgendwann stehst vor dem Scherbenhaufen deiner „gelebten“ Momente und fragst di, was eigentlich davon übrigblieben is, außer ein paar fadenscheinigen Instagram-Posts und dem Geruch von kaltem Haferbrei.
Dein Peter mag ja glauben, dass er die Apokalypse auf zwei Rädern aufhält. Aber die Apokalypse, meine Liebe, die sitzt uns im Nacken, egal ob wir im Stau stehen oder uns im Bioladen um das letzte Stück Demeter-Karotte streiten. Und sie pfeift auf Fahrräder.
Du schaust mi an Helene, wie a Pensionist vor der Trafik am Ersten des Monats. A bissl trotzig, a bissl unsicher. Die rosarote Brille vom Radl-Guru hat wohl doch schon a paar Sprünge bekommen. Erzähl ma nix, i kenn den Blick. Den hab i selber oft genug im Spiegel g’habt, bevor i gemerkt hab, dass die einzig wahre Revolution die is, sich net von jedem dahergelaufenen Schwätzer einreden zu lassen, was „richtig“ und „wichtig“ is.
Du verstehst es einfach nicht! Es geht darum, nicht immer auf dieses verdammte „irgendwann“ zu warten. „Irgendwann mach ich das, irgendwann leb ich richtig.“ Und dann? Dann is das Leben vorbei, und du hast nix erlebt außer graue Büroalltage und zynische Kommentare am Würstelstand. Peter zeigt mir, dass es anders geht. Dass jeder Tag zählt, wenn ma was bewegt.
Bewegen? Ja, sei Fahrrad. Mehr bewegt der net. Und sei Vision? Die is so originell wie a Pickel auf ana Glatze. Die Welt retten wolln’s auf einmal alle. Früher ham’s davon träumt, reich und berühmt zu werden, jetzt reichts, wennst a Lastenradl und a g’strickte Haube hast und auf irgendwelchen Demos rumhüpfen kannst. Hauptsache, du gehörst zu de Guten. Hauptsache, du kannst di moralisch überlegen fühlen, während du dein veganes Dinkelbrot knabberst.
KAUF DAS BUCH UND LIES DIE GANZE GESCHICHT – ODER LASS ES BLEIBN. Mir is es wurscht.
Du hast jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder du kaufst dir den nächsten Ratgeber von einem 20-jährigen Millionär, der dir erklärt, wie du durch Kalt-Duschen und positives Denken deine Seele verkaufst. Oder du investierst in die Wahrheit.
GRANT ist kein Buch, das dich motiviert. Es ist das Buch, das dir recht gibt. Ein literarisches Stamperl Schnaps nach einem Tag voller Bullshit-Bingo und Synergie-Effekten.
Für Ungeduldige & Knauser
Digitales Elend für dein Tablet. Spart Papier, schont aber nicht deine Nerven.
Die Luxus-Depression
Schwer genug, um es jemandem nachzuwerfen, der dich „inspiriert“. Macht sich gut im Regal neben den ungelesenen Klassikern.
Der treue Begleiter
Passt perfekt in die Tasche für die Fahrt ins Amt oder zur nächsten sinnlosen Konferenz.
Zusammensetzung: 100 % Wiener Zynismus, destillierte Resignation, Spuren von Gulaschsaft und spitze Bleistifte. Frei von künstlichen Optimierungsmitteln.
1. Was ist GRANT und wofür wird es angewendet? GRANT ist ein hochwirksamer Anti-Ratgeber zur kurzfristigen Behandlung von akuter Sinnsuche, Burnout-Präventions-Wahn und chronischem Lächeln auf Befehl. Es wird angewendet, wenn die Realität im Bürokaffee nicht mehr mit der Instagram-Fassade des eigenen Lebens übereinstimmt.
2. Was sollten Sie vor der Lektüre beachten? GRANT darf nicht gelesen werden, wenn Sie:
An unheilbarem Optimismus leiden.
Glauben, dass der Weg das Ziel ist (Vorsicht: Dieser Irrglaube führt zu unnötigem Herumirren in der Prärie)
3. Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen Die Lektüre kann das Weltbild von High-Performern und Life-Coaches in tausend digitale Scherben zerlegen. Vor der Anwendung im öffentlichen Raum (z. B. Beisl oder Wiener U-Bahn) ist sicherzustellen, dass genügend Kaltgetränke zur Neutralisierung der Bitterkeit vorhanden sind.
4. Mögliche Nebenwirkungen Wie alle wirksamen Mittel kann GRANT Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem Optimisten auftreten müssen:
Häufig: Spontanes Kopfschütteln, unkontrolliertes Granteln, plötzliche Erkenntnis der eigenen Überflüssigkeit im Hamsterrad.
Gelegentlich: Allergische Reaktionen auf Wörter wie „Purpose“, „Agilität“ oder „Work-Life-Balance“.
Selten: Das Bedürfnis, den Job zu schmeißen oder zumindest den Bleistift im exakten 90-Grad-Winkel auszurichten.
Sehr selten: Ein ehrliches, zynisches Lächeln.
5. Überdosierung Bei einer Überdosis GRANT (mehr als 300 Seiten am Stück) kann es zu einer permanenten Arbeitsverweigerung kommen. Suchen Sie in diesem Fall sofort das nächste Beisl auf und bestellen Sie eine „Eitrige mit an Bugl“ zur Erdung.
Zu Risiken und Nebenwirkungen fressen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Barkeeper oder den nächsten Wiener Beamten.